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Wachstum und Wohlstand

Key Facts

  • Am 11.04.17 hat Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des IWF, zum Thema „Innovation, Technology and Growth“ an der ESMT in Berlin gesprochen
  • Frau Lagarde hat dabei die Diskrepanz zwischen technologischen Fortschritt und nachhaltigem Wachstum diskutiert sowie inhärente Risiken thematisiert
  • Der IWF rät Regierungen technologischen Fortschritt zu fördern und zu fordern, indem sie sich an die 5 vorgestellten Prinzipien halten
  • Die Einstellung von Frau Lagarde und des IWF bezüglich der Zukunft sind durch Zuversicht geprägt

Am 11. April fand an der ESMT in Berlin eine Open Lecture mit der Direktorin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde statt. Thema der mit „Innovation, Technology and Growth“ betitelten Veranstaltung waren Chancen und Risiken des technologischen Fortschritts sowie Empfehlungen des IWF an Regierungen, mit diesen Risiken umzugehen.

 

Es ist ein Grundsatz der Makroökonomie, dass technologischer Fortschritt zu Innovation, Innovation zu Wachstum führe. Die praktische Herausforderung im Kontext des guten gesellschaftlichen Zusammenlebens liegt darin, dieses Wachstum gerecht, d.h. nachhaltig und partizipativ zu gestalten: nachhaltig im Sinne der späteren Anschlussfähigkeit, partizipativ im Sinne der Beteiligung großer Teile der Gesellschaft.

 

Die Welt hat sich in den letzten 150 Jahren so schnell verändert wie nie zuvor. Der technologische Fortschritt nimmt vor allem in den letzten Jahren rasant an Fahrt auf: Innovative Player im Markt, Innovationen wie autonomes Fahren, Künstliche Intelligenz, Robotik und viele weitere. Es ist ein bemerkenswerter Umstand und von historischer Dimension, dass heute nicht abzusehen ist, wie die Welt in 3 Jahren aussehen wird.

 

Trotz der vielen Innovationen wächst die Ungleichheit in der Gesellschaft. Das lässt den Eindruck reifen, dass nur Wenige vom technologischen Fortschritt profitieren und die Gefahr besteht, dass Viele abgehängt werden. Der Taxi-Fahrer wird durch ein autonom fahrendes Auto, der Kellner durch den Roboter ersetzt und anstatt etwas in die Reparatur zu geben, wird das Ersatzteil mit dem 3D-Drucker zu Hause produziert. Frau Lagarde zitierte William Gibson: „The future is already here – it’s just not very evenly distributed.” Damit unterstrich sie, dass es kein nachhaltiges Wachstum bei exzessiver Ungleichheit geben könne. Das führt dazu, dass große Teile der Gesellschaft den bevorstehende Entwicklungen mit Widerwillen und Sorgen entgegenblicken. Die Entwicklung, so Lagarde, betreffe nicht nur die entwickelten, sondern auch Entwicklungsländer.

 

Der zentrale Rat des IWF an die Regierungen der Länder ist, sich diesen Entwicklungen nicht zu versperren oder protektionistisch am Status quo festzuhalten. Statt dessen sei der Fortschritt zu umarmen.

Der IWF hat hierzu 5 Prinzipien aufgestellt:

Abbildung 1: Der IWF hat 5 Prinzipien

Zwar betonte Frau Lagarde, dass diese Prinzipien nicht als magische Formeln zu verstehen seien. Man könne sich vor dieser Entwicklung jedoch weder  verstecken  oder durch protektionischtes Verhalten schützen noch werde ein Durchbruch im Feld der Künstlichen Intelligenz das Allheilmittel für jedes Problem sein. Das wichtigste für Staaten sei es, die Situation zu umarmen, sich ständig neu auszurichten und anzupassen, Innovationen zu fördern, um Fortschritt zu ermöglichen.

 

In diesen Statements manifestiert sich eine aporetische Situation: Einerseits thematisiert ein kritischer Diskurs über Fortschritt seit Beginn der Industrialisierung   die   negativen   Folgen

 

 

und  die   Dialektik   des  Technologischen; dem wird andererseits der Glauben, die Hoffnung und die Überzeugung entgegengehalten, dass Technologien genau diejenigen Potenziale freisetze, um die negativen Folgen zu vermeiden oder zu mildern: Nur Technologie könne die Konsequenzen aus Technologie heilen.

 

Frau Lagarde bestätigte dies in ihrer Antwort auf eine Frage aus dem Plenum: Sie plädiere dafür, ein nicht zu pessimistisches Bild der Zukunft zu zeichnen. Ihr Wirken sei von der gesunden Zuversicht getragen, dass der Mensch sich an fast alles anpassen könne.

 

Marco Friedrich ist Transformation Fellow bei CORE. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt im Bereich Corporate Finance, wo er erste Beratungserfahrung in Konzernkontexten großer Verkehrs- und Transportunternehmen sammeln konnte. Bei CORE unterstützt er komplexe IT-Transformationen mit Fokus auf Risiko- und Investitions-management.


Mail: marco.friedrich@coretransform.com