Der Markt für mobile Zahlungslösungen: Szenarien einer zukünftigen Vielfalt am Point-of-Sale

KEY FACTS

  • Mobile Payments ist Wachstumsmarkt mit großem Potential

  • Erweiterung der Wertschöpfungskette um den Faktor mobilen Zahlens

  • Kartenlesegeräte verschiedener Anbieter machen mobile Endgeräte zum Point-of-Sale

  • Szenarien der zukünftigen Entwicklung

  • Vielfalt der Angebote trifft differenzierte Nachfrage des Markts

REPORT

Der Markt für Mobile Payments ist seit Längerem als Wachstumsmarkt mit großem Potential identifiziert. Ihm wird bis zum Jahr 2017 ein Umsatzvolumen von über 700 Mrd. USD vorausgesagt, andere Prognosen erwarten bereits bis 2015 eine Steigerung auf fast 1 Bio. USD. Das rasante Wachstum des Mobile Payments-Marktes zeigt sich deutlich im Vergleich mit dem für Online Payments. Während sich die Zahl der Online Transaktionen von 2009 bis 2013 verdoppeln soll, wird eine Verfünffachung der Zahlungsfälle über mobile Endgeräte erwartet.

Die Möglichkeit, Zahlungen über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets vorzunehmen, erweitert die Wertschöpfungskette des Zahlungsverkehrs. Die Integration einer Zahlfunktion in die mobilen Endgeräte schafft einen Mehrwert für Kunden, indem ihre Mobilität und ihr Komfort hinsichtlich Bezahlvorgängen gesteigert wird. An dieser Stelle setzen Geschäftsmodelle mit innovativen Konzepten an. Sie steigern die Mobilität der Kunden, um den geschaffenen Mehrwert abzuschöpfen. Dies geschieht zum Teil indirekt, etwa durch das Sammeln von Daten und eine personalisierte bzw. statistisch optimierte Werbung; teils ist eine Bezahlung durch den Endkunden oder den Zahlungsempfänger vorgesehen.

Verschiedene Unternehmen haben diese Entwicklung erkannt, zunächst Startups und Kreditkartenorganisationen, zunehmend auch Telekommunikations- und Handelskonzerne, Internetunternehmen und Zahlungsabwickler. In jüngster Zeit adressiert eine wachsende Zahl von Anbietern den Markt für mobile Zahlungen mit einem spezifischen Konzept. Die Unternehmen treten mit einem Card Reader an, der mobile Endgeräte über einen Hardware-Zusatz um die Funktion erweitert, Zahlungen über Debit- und Kreditkarte entgegenzunehmen. Auf diese Weise kann im Prinzip jedes Smartphone und Tablet zu einem mobilen Point-of-Sale (mPOS) aufgerüstet werden. Die Anbieter setzen damit nicht primär auf den zahlenden Kunden, sondern adressieren die Angebotsseite. Sie wenden sich an kleine Unternehmen, Händler und Verkäufer, für die eine alternative POS-Lösung attraktiv ist, da die bisher am Markt angebotenen Terminal-Systeme meist hohe Fixkosten mit sich bringen und primär für den stationären Handel ausgelegt sind. Mittlerweile erschließen sich die Anbieter auch Handelsketten und unterstützen deren stationäre Systeme.

Pionier in diesem Feld ist das US-amerikanische Startup Square, das im Jahr 2009 gegründet wurde und auch wegen seiner Kooperation mit Starbucks weithin bekannt ist. Das europäische Pendant ist das 2010 gestartete iZettle, das auf dem skandinavischen und britischen Markt agiert. Nachdem diese Unternehmen lange Zeit die einzigen Anbieter im Markt waren, gelangt in der jüngsten Vergangenheit eine Reihe neuer Produkte verschiedener Hersteller und Anbieter auf den Markt.

In den USA und zum Teil in Kanada sind das PayPal Here, GoPayment (Intuit), Punchey, PAYware Mobile (VeriFone) und SpotPay (Fiserv); in Deutschland streetpay, SumUp und payleven (Rocket Internet); überregional agieren das US-amerikanische NCR Silver und die deutsche Wirecard. Die Funktionen der Produkte sind weitgehend ähnlich. Sie kombinieren den Kartenleser mit einer App, die meist weitere Funktionen ermöglicht, z. B. ein umfassendes Kassensystem mitsamt Data Warehousing oder das Scannen von Schecks. Diese Spezifikationen haben mit den Eigentümlichkeiten des jeweiligen Markts zu tun, etwa der verbreiteten Nutzung von Schecks in Frankreich, sowie technischen (Magnetstreifen gegenüber EMV-Chips), betriebssystemischen (iOS und Android) und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Angesichts dieser Entwicklung auf dem Markt für Mobile Payments rückt die Frage zunehmend in den Hintergrund, ob sich mPOS-Lösungen durchsetzen werden. Stattdessen wird die Frage entscheidend, welche Szenarien für die Zukunft wahrscheinlich sind. Mit Blick auf Card Reader, also eine Hardware-Lösung, kommen insbesondere zwei Szenarien in Frage. Darüber hinaus zeichnen sich als drittes Szenario Lösungen ab, die einen mPOS ohne zusätzliche Hardware realisieren.

  • In einem ersten Szenario setzen sich ein oder mehrere Anbieter von Kartenlesern durch. Die Unternehmen vertreiben ihre Produkte selbständig und unter eigenem Namen, zunächst primär im Kontext Kleinunternehmen. Beispiel hierfür ist Square. Zunehmend partnern die Unternehmen auch mit dem stationären Handel. Dieses Szenario realisiert etwa PayPal Here mit der Kooperation mit Home Depot, der weltgrößten Baumarktkette.

  • In einem zweiten Szenario setzen sich ebenfalls mehrere Anbieter von Kartenlesern durch, die ihre Produkte allerdings als White Label-Lösungen vertreiben. Sie bieten dem Handel und weiteren Konzernen einen Card Reader an, der für sie mit ihrem Brand versehen wird, und offerieren eine App, die ebenfalls individuell angepasst wird. Für dieses Szenario steht etwa Wirecard, deren White Label-Lösung von orderbird genutzt wird, einem Anbieter von Kassensystemen in der Gastronomie. SpotPay von Fiserv wendet sich ebenfalls nicht direkt an Händler, sondern an bestimmte Finanzinstitute, die den Kartenleser ihren Kunden anbieten können.

  • Ein drittes Szenario schließlich lenkt den Blick von Hardware-basierten Kartenzahlungen hin zu mobilen Zahlungslösungen, die aus Service-Apps oder Wallets heraus eine Bezahloption für Kunden bieten. Sofern die Wallets nicht ihrerseits auf die Near Field Communication (NFC) setzen, wie die Google Wallet, machen sie eine direkte Kopplung von Geräten überflüssig. Die myTaxi-App beispielsweise bietet Nutzern über die UMTS-Verbindung ihres Smartphones die Möglichkeit, ihre Taxifahrt aus der App heraus bezahlen können. Auch Apple’s Passbook, das für iOS 6 angekündigt ist, scheint auf diese Lösung zu setzen, indem es verschiedenen Apps die Möglichkeit bietet, weitere Funktionen mitsamt Zahlungsoption zu integrieren.

Die Szenarien schließen einander nicht aus. Auf absehbare Zeit ist es wahrscheinlich, dass das mobile Zahlen aus einer Kombination dieser Szenarien bestehen wird. Einerseits wird es unterschiedliche Brands und damit emotionale Bindungen geben. Andererseits können Handelsunternehmen auf Standard-Produkte zurückgreifen und nach ihren Bedarfen anpassen lassen. Die Diversifikation der Produkte und Services ermöglicht es Händlern und Verkäufern, aus unterschiedlichen Lösungen zu wählen, um ihren Kunden Bezahloptionen anzubieten. Sie können damit ihren Zielgruppen, Interessen und Anforderungen gemäß agieren. So kommt es auf dem Markt für Mobile Payments insgesamt zu einer Vielfalt von Angeboten, mit denen sich die ebenso vielfältigen Anforderungen des Marktes auf Nachfrageseite differenziert erfüllen lassen.

QUELLEN

Markt für Mobile Payments
http://www.americanbanker.com/issues/177_156/mobile-transactions-will-reach-730-billion-dollars-by-2017-juniper-1051775-1.html
http://www.iemarketresearch.com/documents/3Q2011GlobalMobilePaymentMarketForecastOverview-September6-2011.pdf
http://www.de.capgemini.com/insights/publikationen/world-payments-report-2011/

Square
http://www.squarup.com

iZettle
http://www.izettle.com

PayPal Here
https://www.paypal.com/webapps/mpp/credit-card-reader

Punchey
https://www.punchey.com/

GoPayment
http://gopayment.com/

PAYware Mobile
http://www.paywaremobile.com/

SpotPay
http://investors.fiserv.com/releasedetail.cfm?ReleaseID=705859
http://www.finextra.com/news/Fullstory.aspx?newsitemid=24047

streetpay
http://www.streetpay.com

SumUp
http://www.sumup.de

payleven
http://www.payleven.de

NCR Silver
http://www.ncrsilver.com

Wirecard
http://www.wirecard.de/presse/pressemeldungen/presseberichtedetailansicht/article/wirecard-lau-1/
http://coretechmonitor.com/wirecard-praesentiert-mobilen-kartenleser-fuer-smartphones/

myTaxi-App
http://www.mytaxi.net
http://coretechmonitor.com/mytaxi-base-targobank-oder-die-leise-integration-von-bezahlfunktionen/

Apple Passbook
http://www.apple.com/ios/whats-new/#passbook
http://coretechmonitor.com/apples-passbook-ein-weiterer-schritt-zur-iwallet/

Unsere Autoren

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Artur Burgardt

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Artur Burgardt ist Managing Partner bei CORE und spezialisiert auf das Management agiler Umsetzungsprojekte in komplexen Kontexten. Als ausgebildeter theoretischer Physiker sammelte er erste Berufs...

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Artur Burgardt ist Managing Partner bei CORE und spezialisiert auf das Management agiler Umsetzungsprojekte in komplexen Kontexten. Als ausgebildeter theoretischer Physiker sammelte er erste Berufserfahrung als Business Analyst bei großen Finanzdienstleistern und erwarb grundlegende Kenntnisse in der Entwicklung von Kernbankensystemen. Dieser Karriereschritt führte ihn zu CORE. Mit seinem umfangreichen Wissen verantwortet Artur neben den Projekten bei Klient:innen das Knowledge Management bei CORE.

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