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Modernisierung von Finanzinstituten durch IT-Transformation

KEY FACTS

  • Leistungsfähige und flexible IT in Finanzunternehmen notwendig, um gegenwärtige Business-Anforderungen abzudecken und zukünftige Strategien zu ermöglichen

  • Modernisierungsprogramme zum Durchbrechen der Aporie der Flexibilisierung bei Kostensenkung

  • Datenpools zur Identifizierung der optimalen Standardsoftwarekombination heranziehen

  • Best-of-Breed kein tragfähiger Ansatz für IT-Transformationen

  • Herausforderungen der IT-Transformation zielgerichtet begegnen

REPORT

Für Unternehmen ist eine leistungsfähige und agile IT ein zunehmend wichtiger Faktor für den Geschäftserfolg. Dieser Grundsatz gilt um so stärker für IT-intensive Branchen, in denen Unternehmen den Anschluss an die technologischen Entwicklungen halten müssen. Gerade für große, gewachsene Unternehmen liegt darin eine enorme Herausforderung angesichts der veraltenden IT bei gleichzeitig zunehmenden Kostendruck.

Der Finanzsektor gehört zu den frühen Anwendern der Informationstechnologie und zeichnet sich durch eine hohe IT-Intensität aus. Banken investieren mit mehr als 6 % einen dreimal höheren Prozentsatz ihres operativen Ergebnisses für IT als der Industriedurchschnitt (GartnerDB Research).

Einen Großteil der IT-Budgets verwenden Banken auf den Betrieb ihrer Systeme (Run the Bank, RtB), auch aufgrund ihrer gewachsenen und veraltenden Systemlandschaften. Aus den verbleibenden Mitteln müssen sie sowohl die Anpassung ihrer Systeme an neue regulatorische Herausforderungen als auch die Transformation der Systeme und Umsetzung von Innovationen stemmen (Change the Bank, CtB). Nach unterschiedlichen Quellen liegt das Verhältnis von RtB- zu CtB-Budgets bei 70/30 bis 80/20 (DB ResearchSAP Banking Blog).

Der Aufwand für die Anpassung an regulatorische Anforderungen ist durch die Zunahme der Regulierung in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dies zeigt sich sowohl an der Menge der geltenden regulatorischen Normen als auch an der Änderungshäufigkeit. War für die Anzahl regulatorischer Normen in Deutschland im Zeitraum von 2009 bis 2012 eine Steigerung um den Faktor 5 zu verzeichnen, so stieg die Änderungshäufigkeit von 252 Änderungen auf 2432 Änderungen um den Faktor 10 (Handelsblatt Jahrestagung Banken-Technologie 2012).

Für die Umsetzung grundlegender Neuerungen in der IT-Unterstützung übergreifender Geschäftsprozesse reichen diese Innovationsmittel jedoch nicht aus. Ein Indikator dafür sind die seit Jahren unverändert hohen Cost/Income-Ratios der deutschen Banken, die im Schnitt aller Bankengruppen ca. 65 % betragen (Bundesbank). Auch wenn die Institute Bedarf für eine strategische Anpassung sehen, stehen ihnen dafür nur unzureichende Mittel zur Verfügung.

In dieser Situation legt sich für viele Institute die Option nahe, den Knoten aus Flexibilisierung und Kostensenkung durch ein Modernisierungsprogramm zu durchschlagen. Es verspricht, durch einmalige Investitionen eine auf Jahre hinaus stabile und flexible IT zu erreichen, die die Zukunftsfähigkeit gerade auch mit Blick auf strategische Kurswechsel sicherstellt. Viele Institute verbinden diese Modernisierung mit einer Standardisierung ihrer IT, indem sie proprietäre Systeme durch Standardsoftware ersetzen. In den Jahren 2007 bis 2011 wurden mehr als 1.900 Neuverträge zur Einführung von Standardsoftware geschlossen (IBS Intelligence).

Für eine Entscheidung zu einer solchen Modernisierung durch eine IT-Transformation stehen Instituten neben der Business Case-Rechnung und weiteren Faktoren insbesondere zwei Fragen ins Haus:

  • Wie kann “ bei Zielstellung einer Standardisierung “ die Software oder Softwarekombination identifiziert werden, die den spezifischen Anforderungen des Finanzinstituts optimal entspricht?

  • Wie sind die enormen Herausforderungen zu beherrschen, denen sich das Institut während der IT-Transformation gegenübersieht?

Software identifizieren

Der Markt für Banking-Standardsoftware ist diversifiziert, in ihm finden sich mehr als 90 Provider mit über 100 Systemen. Um sich in diesem Markt zu orientieren, stehen verschiedene Datenpools und Tools zur Verfügung.

Entscheidend für eine erste eingrenzende Auswahl ist das Kriterium, inwiefern sich in Anbetracht des Banking-Fokus des Finanzinstituts bestimmte funktionale Domains und Geschäftsbereiche durch eine spezifische Standardsoftware realisieren lassen. Die Datenbank Banking-Standardsoftware des COREinstitutes hat diese Informationen über die am Markt verfügbaren Systeme aggregiert. Sie ermöglicht es, für bestimmte Geschäftsbereiche Kandidaten mit Blick auch auf deren weitere Funktionalitäten zu identifizieren. Das erlaubt im Prinzip, die Bank nach Domänen zu gliedern “ wie beispielsweise in den Service-Landscapes des BIAN “ und die Softwarekombination daran auszurichten.

Mit Blick auf die Frage nach dem zu erreichenden Standard kann die Frage entstehen, ob nicht gegenüber einer Standardisierung ein Best-of-Breed-Ansatz möglich wäre. Ein aktueller Aufsatz geht dieser Frage hinsichtlich Situationen in Mergers & Acquisitions (M&A) nach: Neue Möglichkeiten für Best-of-Breed-Ansätze bei der Verschmelzung von Retailbanken? In diesen Situationen stellt sich regelmäßig die Frage, ob sich die jeweils besten Stücke der IT-Systeme der beteiligten Unternehmen herausgreifen lassen, um mit dieser Ziellandschaft eine höherwertige IT zu realisieren.

Der Aufsatz problematisiert die Idee eines solchen Vorgehens anhand der hohen Komplexität, durch die sich Transformationsprojekte auszeichnen. Die Autoren diskutieren Möglichkeiten, die Komplexität der Transformation z.B. mit Hilfe eines Enterprise Architecture Managements (EAM) zu reduzieren. Sie kommen zum Ergebnis, dass die zur Verfügung stehenden Mittel zur Komplexitätsreduktion nicht ausreichen, um einen Best-of-Breed-Ansatz zu empfehlen. Übertragen auf die Frage eines möglichen Best-of-Breed in IT-Transformationen gilt das gleiche Diktum: Solange Ausgangs- und Ziellandschaft nicht große Ähnlichkeiten aufweisen und insbesondere mit Blick auf Schnittstellen detailliert dokumentiert sind, bleibt einem Best-of-Breed-Ansatz eine Migrationsstrategie vorzuziehen.

Auch der Gesichtspunkt der Flexibilität legt nahe, keinen Best-of-Breed-Ansatz zu verfolgen. Zwar ermöglicht Best-of-Breed theoretisch eine umfangreichere oder spezifischere Funktionalität gegenüber einer Standardsoftware-Lösung. Aber da der Fokus der Finanzinstitute in Richtung Geschäft “ und das heißt weniger zu starrer Funktionalität als hin zu Flexibilität “ tendiert, bleibt eine Standardisierung zu favorisieren.

Herausforderungen steuern

Die Herausforderungen in IT-Transformationen sind enorm, da die Komplexität von Transformationsprojekten nicht nur die Steuerung, sondern die Steuerungsfähigkeit der Projekte betrifft. Für die Entscheidung hinsichtlich der IT-Transformation ist zentral, sowohl über das Know-how als auch über die Fähigkeiten zu verfügen, diese Steuerungsfähigkeit in Transformationen sicherzustellen.

Das COREinstitute hat seine Expertise in IT-Transformationen im aktuellen White Paper “Von der Kunst, an Zielen festzuhaltenœ zusammengefasst. Darin finden sich zentrale Herausforderungen in IT-Transformationen ebenso reflektiert wie erprobte Lösungsmuster. Die Autoren entwickeln ihre Überlegungen zunächst anhand der Phasen der Transformation, um sie anschließend an den thematischen Schwerpunkten unter anderem des Entscheidungsmanagements, der Tools und der Integration extern unterstützender Kräfte eingehender zu entwickeln.

Fazit

Finanzinstitute stehen mit der notwendigen Modernisierung und weiteren Industrialisierung vor einem steinigen Weg. Die Transformation der IT spielt hierbei eine zentrale Rolle, denn sie kann helfen, eines der Zukunftsthemen großer Unternehmen zu lösen: die Flexibilität des Unternehmens im Sinne seiner strategischen Veränderbarkeit mit effizienten und effektiven Strukturen in der IT zu harmonisieren.

QUELLEN

Gartner
http://www.itpro.co.uk/644149/gartner-enterprise-it-spending-to-show-scant-growth-in-2013

DB Research
http://www.dbresearch.de/PRO…eye+on+efficiency.PDF

SAP Banking Blog
http://blogs.sap.com/banking/2012/09/25/cios-view-changing-the-bank/

Handelsblatt Jahrestagung Banken-Technologie 2012
http://www.inform-you.de/Referentenbeitrag.aspx?id=309221

Deutsche Bundesbank
http://www.bundesbank.de/Red…12/2012_09_monatsbericht.pdf

IBS Intelligence
http://www.ibsintelligence.com/index…emid=608

Datenbank Banking-Standardsoftware
http://coretechmonitor.com/datenbank-banking-standardsoftware/

BIAN
http://bian.org

Christian Horstmann/Mirko Schiefelbein/Martin Groschke, Neue Möglichkeiten für Best-of-Breed-Ansätze bei der Verschmelzung von Retailbanken?, in: BIT 3/2012
http://www.ibi.de/oktober-ausgabe-der-bit-erschienen.html

White Paper “Von der Kunst, an Zielen festzuhalten”
http://coretechmonitor.com/downloads/COREinstitute_DE_VonDerKunstAnZielenFestzuhalten.pdf

 

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Martin Groschke verantwortet als Managing Partner das COREengineering. Er weist einen Abschluss in Betriebswirtschaft nach und verantwortet die Industriestruktur Insurance im Klientenportfolio von ...

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Martin Groschke verantwortet als Managing Partner das COREengineering. Er weist einen Abschluss in Betriebswirtschaft nach und verantwortet die Industriestruktur Insurance im Klientenportfolio von CORE. Neben der Entwicklung unseres Human Resource Bereichs engagiert er sich im Ausbau unseres Netzwerks mit Universitäten und Hochschulen. Bereits während seiner Studienzeit hat er in leitender Position bei einer studentischen Unternehmensberatung sowie im Rahmen diverser Projekteinsätze bei international renommierten Beratungsunternehmen gearbeitet.

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